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HenningWehland
9/13/2021, 7:36 PM

IMMER WIEDER MONTAGS #33 - Mov(i)e Ya oder: Eine dieser „Du-musst-dabei-gewesen-sein-Geschichten“




„Weiß´ doch, wie so was is, ich bin da selbst grad was am planen dran...“ (Martin Semmelrogge a.k.a. „Schlucke“ in BANG BOOM BANG)


Manche Geschichten muss man einfach mal zu Papier bringen und gelesen haben! So wie den Text von „Let it be“ von den Beatles. Das legendäre Drehbuch zu dem Film „Bang Boom Bang“, von dem Autor Peter Thorwart. Oder das letzte Wochenende: Ich habe – gefühlt – 3.000.000.000. mal versucht eine Audiovision dieser Geschichte aufzunehmen. Aber manche Sachen muß man einfach aufschreiben.

Den „Ist – der – Geil - Moment“, muss man mental erleben. Deshalb stelle ich mir vor, ich bin ein Drehbuchautor und erzähle Euch die Erlebnisse zu dem Film, den ich am letzten Wochenende erlebt habe. Wie Peter Thorwart, Regisseur von dem oben genannten Film bei dem auch H-Blockx den Soundtrack gemacht haben. Genauso, wie bei dieser Geschichte:

Stellt Euch vor, wir waren seit Jahren auf Tour. Wir haben viele Erfolge gefeiert und es war klar: Du kannst die Band nachts um eins wecken! Und? – Die funktionieren.Das ging fast 30 Jahre so und dann? -

Zwei Jahre hat uns keiner geweckt. Auch davor ist viel Wasser die Werse heruntergeflossen, bis die Erfinder des Crossover sich getraut haben ihre Heimatstadt mit Rock UND Roll Wiederzutaufen. Das war August 2019. Ein grandioses Erlebnis vor dem Dom. Aber es blieb erstmal, wegen bekannter Umstände einmalig.

Die Pandemie nahm scheinbar nie ein Ende. Doch dann kam aus dem Nirvana die Möglichkeit ein Festival zu spielen. Sie!!! Waren wieder da. Die Band. 

Der Countdown to insanity konnte eingeläutet werden, Proben – Packen – Blödsinn machen. Die Zutaten waren und sind, immer noch bekannt. Also, wie man bei uns sagt:“fettich machen“.

Haben wir gemacht. Die Proben waren sehr intensiv. Ich müsste lügen, wenn Zweifel über das „Ob-und-wie“ nicht mit von der Partie gewesen wären. Aber dieses Gefühl, dass wir es noch können UND wollen, war und ist immer noch da. Dass noch irgendetwas wartet.

Wir fahren los. Die Strecke scheinbar endlos von Münster in den Odenwald. Nix los, aber schöne Landschaft – halt! Plötzlich taucht ein Dorf auf.

Dahinter gibt es eine Strasse und dahinter eine Gasse mit einem Tor. Eine neue Welt taucht auf. Wir sind auf dem Weg zu dem Parkhotel 1970!!! Der name ist Programm alle Zimmer gefüllt mit Memorabilia aus den Siebzigern und nie das Gefühl von „Zuviel“ sondern immer eher von „das kenne ich“ – oder „davon habe ich schonmal gehört“. Diese Apartments erinnern in fast jedem Detail an Stil der Zeit, die Hollywood Hills. An Schauplätze, wo einst Roman Polanski seine Frau Sharon Tate verloren hatte, durch die Anhänger der Sekte von Charles Manson. (Dieses Hotel ist quasi das Filmset von dieser Geschichte aus dem Film "Once upon a time in Hollywood")

BREAK! ich drifte ab. Zurück zum Plot. Dieses Gelände erinnert mich.

An eine Zeit, in der alles im Aufbruch war. Und so kamen wir an. Aufgebrochen, um unsere stille Welt zu verändern.

Wir sind aus dem Hollywood Odenwald Hotel losgezogen, um ein weiteres Kapitel H-Blockx Geschichte zu schreiben.

Wir kommen im Backstagebereich des Festivalgelände an. Ich kenne die Szenerie und das Gefühl. Ein Hauch von Neid mischt sich in den Sound der anderen Bands, weil die schon weiter sind als wir. Aber unser Moment wird noch kommen.


Die Anspannung ist auf dem Höhepunkt und: als Headliner dürfen wir um kurz vor Mitternacht die Bühne entern. Ich fühle mich wie Johnny Depp in Fluch der Karibik, der das Schiff des 4Bikes Festival mit seinem Mic entern will.

Die Crowd, die Crew der Sound alles Perfekt. Intro läuft. „THE POWER“ perfekter Opener. Dann: Alle Lichter aus! Blackout. Kurzschluss? Was macht man als Band, wenn das passiert. Es gibt viele Möglichkeiten.

Gudzes Kommentar war: „Jungs: Spannung halten“. Wir wussten alle, was er meinte. Er ging voraus soweit wie die Bühne reichte! Und stellte sich hin und gab mir und dem Publikum die nötige Sicherheit, um nicht die Fassung unter der Birne zu verlieren.

Die ganze H-Blockx Gang war am Start. Damit meine ich auch das Publikum. Die haben sofort verstanden, was da passiert. Das kann man nur zusammen schaffen.

Wir wurden dann von der Bühne geholt, um zu schauen, ob es überhaupt noch Sinn macht aufzutreten?!


...nach einer Stunde haben wir dann nochmal von vorne angefangen. (Weil ich das am besten kann)

Man kann im Nachhinein viel erzählen. Und das ist gut so, denn die besten Shows, waren immer die, über die man solche Geschichten erzählen konnte. Vor allem, dass diese Geschichten weitererzählt werden.


Ihr fragt Euch jetzt: „Wie kam es denn zu dem Stromausfall?“ – berechtigte Frage.

Ein junger Mann hat in seinem jugendlichen Wahnsinn das Dixiklo nicht gefunden und am FOH auf ein Starktstromkabel gepinkelt.

Der Mann lebt. Wahrscheinlich hat er jetzt Superkräfte. Oder eben nicht. Wie auch immer. Das war ein Wochenende für die Geschichtsbücher meiner nichtgeschriebenen Biographie.

Und ich möchte mit einem weiteren Zitat aus dem legendären Film von Peter Thorwart schließen:


„90 Minuten Hardcore – echte Gefühle (Jochen Nickel a.k.a. „Franky“ in BANG BOOM BANG)


Euer Henning


P.S.: Falls Ihr mich erreichen wollt, hier - mein Festnetz

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