
Gelegentlich besuchten wir mit dem Tiger einen ruhigen Biergarten, wollten wir doch langsam mit ihm üben, dass wir auch woanders mal entspannt essen gehen können. Etwas, was wir Menschen besonders im Sommer immer ganz gerne gemacht haben.
Wir blieben mit dem Tiger anfangs immer nur kurz, tranken nur schnell eine Kleinigkeit und freuten uns über einen coolen Pudo, der entspannt auf seiner Decke neben uns friedlich an seinen Schätzen knusperte. Solange Pudolinchen etwas zum schmatzen hat, ist seine Welt ja eh meist völlig in Ordnung.
Es klappte hervorragend und so trauten wir uns an diesem Tag, sogar etwas zu Essen zu bestellen. Es war etwas mehr Betrieb als sonst und die Kellner flitzen fleißig hin und her. Doch Pudo lag weiter schmatzend auf seiner Decke, bearbeitete engagiert seinen Ziemer und so vertieften wir uns derweil entspannt in unser Gespräch. Ein großer Fehler! Denn Pudo ist ja nun mal Pudo…
Er kaute zwar die ganze Zeit weiter fleißigst auf seinem Dings herum, gleichzeitig aber entging ihm wohl keinesfalls, welche Köstlichkeiten die Kellner so fleißig aus der Küche herum schleppten und auf die Tische verteilten. Ich bin mir sicher, er machte sich heimlich einen genauen Plan und wartete geduldig kauend auf den rechten Moment.
Und sein Moment kam! Als der Kellner unseren Tisch mit verlockend duftenden Tellern ansteuerte, stand Pudo erfreut auf, schaute dem Kellner mit seinen Knopfaugen entgegen und hob schnuppernd das Näschen, während seine angelutschte Zigarre dabei lässig aus seiner Schnute baumelte. Der Kellner stellte die duftenden Teller höflich vor uns ab, neben mir fiel Pudos Zigarre mit lautem Plumps zu Boden und er sprang. Keine Sekunde später landete der Tiger mitten in meinem Teller.
Der Kellner starrte ungläubig, meinem Mann fiel die Kinnlade runter, mir schoß sämtliches Blut ins Gesicht und es fühlte sich peinlicher Weise nicht nur so an, als würde der gesamte Biergarten verstummen und zu uns rüber glotzen… Der einzige, der weiterhin überaus fröhlich und unbeirrt drein schaute, war natürlich Pudolino.
Ich pflückte ihn nach Überwinden meiner Schockstarre leise murmelnd vom Tisch und setzte ihn brav unter peinlich betretenen Blicken der anderen Gäste zurück auf seine Decke und grinste in mich hinein. Ich hätte es ja wissen müssen - bei Pizza macht Pudo keine Gefangenen.
Natürlich wollte der kleine DreimalSchlau danach auch gegen alle Kekse dieser Welt definitiv nicht ruhig am Boden sitzen bleiben, während wir so leckere Sachen essen. Das fand er ganz ungeheuerlich! Und Recht hatte er ja auch. Den Tiger also kurzerhand geschnappt, auf meinen Schoß gesetzt und meine Pizza gerecht mit ihm geteilt - so wie es sich nun mal für einen Pudolino gehört.