

Eine ganze Weile ists schon her und eine Menge hat sich verändert. Aber damals, nicht lange nach unserem Umzug, stand ich vor einer absolute Mutprobe für mich, dem damals noch sehr gestresstem, kleinen Drachen einen ziemlichen Vertrauensvorschuss zu geben. Und habe tatsächlich ein riesiges Geschenk von meinen beiden Jungs dafür an mich zurück zu erhalten.
Pudo geht ja prinzipiell nicht so gerne in den Wald, schon gar nicht bei dem Regenwetter. Zudem ist ihm so wichtig, auf den ersten hundert Metern richtig satt zu bummeln und zu dödeln. Moka das genaue Gegenteil, er ist auf den ersten Metern gerne zügiger, bis die ersten Geschäfte erledigt sind. Vorher kann ihn Pudolinos Bummelei schon arg stressen. Ich vermittle also immer zwischen den beiden und finde meist annehmbare Kompromisse.
Heute kam aber - mal wieder - dazu, dass Pudo oft minutenlang horchend und schauend stehen geblieben ist und Mokas Geduld sich dem Ende neigte. Nach weniger als 50 Metern erklärte Pudo dann auch eindrücklich, dass wir keinen Schritt weiter in den Wald gehen dürfen. Ihm sind Wildtiere wirklich sehr gruselig und unbehaglich und irgendwas hatte er in der Nase. Moka hingegen hat noch lange nichts angezeigt und blieb zumindest diesbezüglich entspannt. Für mich eindeutig, dass nichts mehr in unserem Radius ist und Pudo, der Waldfürchtige, wohl einen alten Geruch hat, der ihn zaudern lässt.
Tja, da stand ich: Ein Hund, der dringend umkehren will und den ich nicht nötigen möchte. Und ein kleiner Drache, der unbedingt vorwärts will, ungeduldig in der Leine zappelt und frustriert darauf herum kaut, ausserdem dringend aufs Klo will und noch immer nur auf ritualisierte Plätze geht. Und der war noch zwei Kurven entfernt. Wie löse ich das?! Pudo zwingen, der so deutlich nein sagt? Oder Moka nicht aufs Klo lassen? Nein. Das geht so nicht, armer Pudo! Aber armer Moka! Wer nur soll zurück stecken?!
Ach, scheiß drauf, irgendwann musst du auch mal loslassen. Gemeinsam ist das Zauberwort. Beide Jungs fragend beobachtet, ob fremde Hunde den Weg lang kommen. Das zeigt Moka ja immer sehr zuverlässig sehr früh an und wir schlawinern eh immer in recht einsamen Gegenden. Nein, keine Hunde? Super. Dann ab die Post, kleiner Drache. Leine los und schleppen lassen, dass er zumindest schon mal weiter vorne Pipi machen kann. Ihn gebeten, in Sichtweite zu bleiben. Aber nein, er marschiert zielstrebig durch hinter die Kurve. Okkkkeeyyy, locker bleiben, atmen - er kann das, wir kennen schleppende Leine und zusammen bleiben von den Wiesen, er wird das auch im Wald meistern und nicht abdampfen. Atmen!
Und tatsächlich! Da sehe ich doch seine Öhrchen noch durchs Dickicht schimmern - der kleine Kerl steht doch wirklich direkt hinter der Kurve, wartet und schaut zu uns rüber. Wahnsinn!!! Und dann kommt er glatt ein paar Meter zurück und fragt, wie es weiter geht! Tschakkka!
Check, klappt! Danke, du superduper Drache!!!
Tja, und - wie geht es denn nu weiter? Pudo sieht Moka dort unten warten und lässt sich Gottseidank tatsächlich von mir beruhigen, dass wir gefahrlos noch ein Stückchen weiter auf die Kurve zugehen können. Tapfer marschiert er Schritt für Schritt den Weg mit mir runter Richtung Kurve und bleibt wie erwartet auf der Hälfte der Strecke stehen. Aber super, das reicht!
Pudo rasch versichert, dass alles gut ist, er hier warten kann und ich nur rasch runter zur Kurve gehe, von der aus ich beide Schätze dann gut sehen kann.
In der Kurve Moka wohlverdient mit seinem Drachengold bezahlt und ihn dann mit einer Handbewegung "ab die Post mit dir" aufs Klo geschickt. Und zack ist er den Weg runter gewetzt und ab in seinen wohlvertrauten Busch. Ich stand aufgeregt, ein bisschen angespannt, aber tapfer am Vertrauen festhaltend in der Kurve, Pudo geduldig wartend einige Meter über mir, Moka einige Meter weiter unten in seiner privaten Toilette.
Nicht lange und der kleine Drache kam erledigter Dinge aus dem Busch gedüst, stoppte abrupt auf dem Weg, schaute nach rechts, schaute nach links und kam tatsächlich strahlend im Affenzahn zu uns angeflogen. Er hielt neben mir, nahm gerne einen Keks und schaute zu Pudo rauf. Ein winzig kurzer Blickwechsel zwischen den Jungs und zack - Pudo drehte auf dem Absatz rum und Moka folgte ihm wie selbstverständlich einfach so zurück zum Auto. Thema "Spazieren" ganz ohne mein Zutun zwischen den beiden geklärt und mit einem einzigen Blick von Pudo vom Tisch.
Die beiden, so unterschiedlich wie Tag und Nacht, sind tatsächlich zu einem Team gewachsen. Trotz ihrer unterschiedlichen Bedürfnisse und Interessen haben sie es heut so deutlich gezeigt: Wir gehören zusammen, wir bleiben zusammen. Ich platze vor Stolz!