Die Prophezeiung des letzten Drachenbundes
Noch ehe Sterne Himmel trugen,
noch ehe Meere Wellen schlugen,
als weder Zeit noch Hoffnung sprach,
da wachte einer, still und wach.
Der Drache war sein ewiger Name,
geboren nicht aus Glut und Flamme.
Sein Ursprung lag im Weltenlicht,
doch Hass und Hochmut kannte nicht.
Er war der Hüter alter Macht,
der über alle Zeitalter wacht.
Nicht Gold bewahrte seinen Sinn,
nur Wahrheit wohnte tief in ihm.
So heißt es auf verwittertem Stein,
in Runen alt, vom Mondeschein:
“Nicht jeder hört des Drachen Ruf,
doch jeder geht auf seinem Pfad genug.
Wenn Schatten schwer die Welt umhüllen
und Herzen sich mit Furcht erfüllen,
dann wird aus stiller Menschen Zahl
eine erwählt durch Schicksals Wahl.
Ich trag kein Zeichen einer Krone,
kein Herrscher ruft mich auf den Throne.
Doch meine Seele, klar und rein,
wird mit dem Drachen ewig sein.
Nicht weil ich niemals fallen wird,
nicht weil meine Hoffnung niemals irrt.
Nein, weil ich selbst im tiefsten Leid
dem Licht vertrau zu jeder Zeit.
Dann wird der Drache vor mir stehen,
mit Augen, älter als Verstehen.
Kein Wort erklingt, kein Eid wird laut,
weil jede Seele der andern traut.
Sein Feuer ist kein Fluch der Macht,
es wird aus Liebe dargebracht.
Es brennt nicht heiß aus blinder Wut,
es nährt den Mut mit stiller Glut.
Von diesem Tag bis in die Fernen
werd ich den Weg des Drachen lernen.
Nicht hinter ihm, nicht über ihm,
sondern verbunden, im Herz mit ihm.
Wo ich auch geh, wird Hoffnung wachsen,
selbst zwischen Fels und alten Rissen.
Denn meine Stärke stammt nicht nur
aus eigener, vergänglicher Natur.
Der Drache trägt mich durch die Nacht,
ich trag sein Licht mit stiller Macht.
Gemeinsam werden wir bestehen,
wo andere vor Furcht vergehen.
Doch wer dies hört, soll eines wissen:
Kein Herz ist jemals ausgeschlossen.
Denn tief verborgen, unerkannt,
liegt Drachenfeuer in jeder Hand.
Nicht jeder wird die Wächter sehen,
doch jeder kann den Ruf verstehen.
Wer Mut bewahrt und Liebe nährt,
ist längst des Drachen Freund und wert.
So endet nicht des Liedes Klang,
denn Drachen leben lebenslang.
Sie sterben nicht, sie ruhen nur,
verborgen tief in jeder Spur.
Und wenn dereinst die Welt vergisst,
wer sie im Kern gewesen ist,
dann hebt ein Drache still sein Haupt
und sucht die Seele, die noch glaubt.
Denn nicht das Schwert entscheidet hier,
nicht Ruhm, nicht Gold, nicht Macht noch Gier.
Nur wer das Licht im Herzen trägt,
wird von den Wächtern auserwählt.
So schweigt die Prophezeiung sacht…
und wartet seit der ersten Nacht.